| Kommentar vom Samstag den 31 Dezember 2005 | |
Hamster- Wind- und Rhönräder | |
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Ob Hamster- Wind- oder Rhönrad, rund laufen sollten sie im Normalfall alle! „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“*) beschreibt hingegen, daß es jederzeit gegenläufige Situationen geben kann, in denen Abnormalität vorherrscht. Das vertragsärztliche Hamsterrad kennen und beklagen wir seit Jahren, es erscheint als „Normalfall“, dem der zum 1.4. - April, April – in Kraft tretende EBM2000+ neuen Schwung verleihen will. Ganz offiziell wurde die Einzelpraxis zum Auslaufmodell deklariert, die Leistungen der „einzelnen“ Ärzte dürfen daher anders gewertet werden. Wird das die Hamster dazu nötigen, sich in größere Räder zu bewegen, wo es mehr Platz gibt? Rhönräder bieten sich an, zumal ein wichtiger Experte im Gesundheitswesen diesem Rhönradsport seine Reverenz erweist und die Gesundheitsministerin als Schirmherrin der Rhönradmeisterschaften in diesem Jahr fungiert. Medizinische Versorgungszentren im Land der Rhön, Mittelgebirge, Vulkanausbrüche nicht mehr zu erwarten, „Freunde der Rhön, jene die die Rhön lieb gewonnen haben, kommen gewöhnlich gerne wieder und fühlen sich in diesem Fleckchen Erde, das von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt wurde, sehr wohl." Anerkannte Reservate werden zuweilen leider öffentlich angegriffen. Da nimmt dann doch sogar im Editorial des Ärzteblattes Baden-Württemberg der Chefradakteur für die Funktionäre Stellung und gesteht seine/ihre Ängste: "Wenn jetzt Ärzte des Landes sich mit ihrem Kopf für die „Bild-Zeitung“hergeben, um den Vorstand der KV Baden-Württemberg zu beschädigen, ist dies in einer Demokratie zwar legitim, aber irgendwie auch beängstigend: Dass sich die Ärzte jetzt öffentlich gegenseitig niedermachen, beschädigt die eigene Berufsgruppe mehr, als dass es in irgend einer Weise nützt." Bietet denn dem Arzt an der Basis das offizielle Ärzteblatt überhaupt eine Plattform, die sich mit dem Diskussionsforum www.facharzt.de vergleichen ließe, das sogar in PANORAMA Aufsehen erregte, was im Ärzteblatt-BW leider keinen Nachhall fand, obwohl ein Kollege aus Stuttgart betroffen war ? PANORAMA Nr. 649 vom 27.01.2005 „Schamlos und unverschämt – Ärzte lästern über Kassenpatienten“ - Nach ihren Kassensprechstunden treffen sich Tausende Mediziner im Forum von Facharzt.de. Eigentlich ein Chat für Fachleute, aber auch ein virtueller Ärztestammtisch, passwortgeschützt. Warum – ein Beispiel: >>klicken Sie auf den link, download eines pdf-files abwarten ... PANORAMA zu Ärzten in www.facharzt.de Mit der Diskussion um die Höhe der Gehälter des Vorstandes der KV Baden-Württemberg befasst sich der Chefredakteur J. Dreher hier: Chefredakteur J.Dreher "Diese Diskussion ist nicht sachlich" Was verursachte so viel Wind, daß der Chefredakteur zur Feder griff? Es waren nur mathematische Betrachtungen zu Zahlen von 0 – einigen Hunderttausend, die energieerzeugend über die gesammelte Medienlandschaft hinwegbrausten. Wird das dem „Ärztetag von unten“ auch gelingen, so viel Wind zu entfachen, daß der das gute alte Haus mit seinem „Sicherstellungsauftrag“ mal kräftig durchpustet? Er findet bekanntlich am 9.4.05 in BERLIN Campus Charité Mitte, Hufelandweg 6, Ferdinand-Sauerbruch-Hörsaal statt. Wird er spalten oder einigen? Was wissen wir dazu noch von unserem berühmten Kollegen Sauerbruch? „Sauerbruchs politische Haltung war gespalten: seine offiziellen Aktivitäten stützten das NS-Regime, privat äußerte er Kritik und half Verfolgten. Sauerbruch war sehr eng Max Liebermann (1847-1935) befreundet gewesen, und einer der wenigen Menschen, die dem jüdischen Maler und Graphiker nach seinem Tod am Grab die Letzte Ehre erwiesen.“ ![]() ![]() 1933: Als Jude wird Liebermann von den Nationalsozialisten Arbeitsverbot erteilt. Da die Sektion für Bildende Kunst der Preußischen Akademie der Künste beschließt, keine Werke jüdischer Künstler mehr auszustellen, erklärt Liebermann öffentlich seinen Austritt aus der Akademie ![]() Ernst Ferdinand Sauerbruch *) "Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will", schrieb Georg Herwegh, der mit seinen ,,Gedichten eines Lebendigen" (1841-1843) poetischen Elan mitbrachte. Er schrieb das Bundeslied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins mit den berühmten Zeilen. Dem Appell folgten am 20. November 1896 die Arbeiter im Hamburger Hafen: Auf einer Massenversammlung beschlossen die Schauerleute einen Streik, der mit einer Dauer von elf Wochen und über 16.000 Streikenden einer der größten in der Geschichte der Hansestadt werden sollte. 1863 "Das Bundeslied" als Hymne auf das revolutionäre Proletariat. Im folgenden die letzten drei von insgesamt zwölf Strophen des Bundeslieds Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still. Wenn dein starker Arm es will. Deiner Dränger Schar erblaßt, Wenn du, müde deiner Last, In die Ecke stellst den Pflug. Wenn du rufst: Es ist genug! Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Not der Sklaverei! Brecht die Sklaverei der Not! Brot ist Freiheit, Freiheit Brot! Das Bundeslied wurde sehr schnell verboten und konnte jahrelang nur illegal verbreitet werden. Gleichwohl gilt es bis heute als eines der bekanntesten deutschen Arbeiterkampflieder. PS.: "Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte" Liebermann sah auf dem Balkon seines Hauses den Fackelzug zu Adolf Hitlers Machtergreifung. Zitiert nach Grundrechte-Report 2001. Reinbek 2001, S.93 Dieses Zitat wird auch Kurt Tucholsky zugeschrieben. 8.12.2005: Seit Ende März/Anfang April blieb dieser Kommentar unverändert. Inzwischen liegt der 9. November 2005 schon einen Monat zurück. An diesem historisch markantem Datum für Deutschland trafen sich ca. 5000 Ärztinnen/Ärzte/Mitarbeiterinnen/Familienangehörige auf der Domplatte in KÖLN am deutschen Rhein zu einer Protestkundgebung, die ein weithin beachtetes Zeichen setzen konnte: KÖLN-Poster zur Kundgebung Die Rede des Kollegen Grauduszus, Präsident von "Freie Ärzteschaft" finden sie hier! Bild von der Veranstaltung in KÖLN Domplatte 9.11.2005 Bei den zahlreichen Reden vom 9. November 2005 rund um die Kölner Domplatte ist nachfolgend der Wortlaut der Rede von Dr. Christian Henatsch, Düsseldorf wiedergegeben: Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Mein Name ist Christian Henatsch, Dr. Christian Henatsch; ich bin Jahrgang 1948, Narkosearzt und seit 16 Jahren in Düsseldorf als niedergelassener Anästhesist tätig. Ich spreche für meine Fachgruppe, wenn ich hier und heute sage, dass eine Beibehaltung der jetzigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen das sichere „Aus“ für ambulantes Operieren bedeuten wird. Ambulante Operationen auf einem anerkannt hohen Niveau werden in Deutschland zukünftig der Vergangenheit angehören und meine Berufsgruppe – d.h. die ambulante Anästhesie – wird damit aufhören zu existieren – es sei denn, wir entschließen uns zu handeln. Zwei Beispiele sollten genügen, dieses zu belegen. Das erste Beispiel ist Niedersachsen, wo in den kommenden Monaten mit Sicherheit bis zu 50 Prozent der Kolleginnen und Kollegen meiner Fachgruppe den Insolvenzantrag werden stellen müssen wegen der Begrenzung ihres Honorartopfes. D.h. für diese Kollegen: aus, vorbei, denn kein einziger Arzt kann überleben, solange sein Honorar pro Narkose auf einen Wert von 50 bis 80 Euro abgestuft wird. Dieses ist kein Honorar, dies ist ein Trinkgeld. Das zweite Beispiel betrifft uns hier in Nordrhein, wo - laut Abrechnung des 2. Quartals 2005 – fast jede 2. Narkose umsonst erbracht wird, - 40 Prozent aller Narkosen werden nicht vergütet. Vier von 10 Narkosen werden von uns umsonst geleistet, damit das begrenzte Honorar der Fachgruppe rechnerisch ausreicht, wenigstens die restlichen 6 Narkosen zu bezahlen, und zwar mit einem Punktwert von 5.11 Cent, was – laut Kassen und Politik – betriebswirtschaftlich angemessen sein soll!! Kolleginnen und Kollegen, Sie wissen so gut wie ich, dass mit dieser Vergütung, mit diesem System der Mangelvergütung – ein betriebwirtschaftliches Überleben nicht mehr möglich ist. Und wenn ich von betriebswirtschaftlichem Überleben spreche, dann klammere ich in diesem Moment Themen wie Altersversorgung, Ausbildung der Kinder oder Teilnahme am kulturellen Leben bewusst aus. Ich fordere daher hiermit und heute meine Fachgruppe auf, gemeinsam mit mir die Kassenzulassung zurückzugeben, und zwar in einer kollektiven, abgesprochenen Aktion bundesweit. Lassen Sie uns die Zulassung zum Kassenarzt als Anästhesist oder Schmerztherapeut zurückgeben und damit auch den Sicherstellungsauftrag an die Kassen. Ich fordere meine Fachgruppe dazu auf, den einzig denkbaren Weg einzuschlagen, der ein Überleben der Fachgruppe, des einzelnen Fachkollegen und damit auch des ambulanten Operierens garantiert: ein Ausstieg aus dem System der kassenärztlichen Vereinigungen unter Berufung auf die klaren und eindeutigen Regelungen des SGB V - § 72und § 95. Kolleginnen und Kollegen, der Gesetzgeber hat einst diese Möglichkeit als bewusstes Hindernis in das Gesetzbuch geschrieben, um den einzelnen Kassenarzt fest an das so lukrative System der GKV zu binden. Jetzt erscheint sie absurder weise als der einzig verbliebene Schimmer am Horizont: ein zustehendes Honorar in Form einer klaren und transparenten Rechnung in Euro und Cent, Kostenerstattung durch Festgeld, auf der Basis einer Gebührenordnung. Ich bin bereit, diesen Weg zu gehen und meine Zulassung zugrückzugeben – wenn meine Fachgruppe mir folgt. Wenn wir so handeln, handeln wir nicht nur im Interesse der Überlebens der Fachgruppe, wir handeln zugleich im Interesse des Angebotes an die Bevölkerung, weiterhin ambulante Operationen auf höchstem Niveau dort anzubieten, wo die Menschen leben. Ohne ihren Narkosearzt wird dies nicht mehr gehen. Aber es geht ohne die Zulassung, es geht ohne die Kassenärztlichen Vereinigungen. Es liegt nur an uns. Ich bin mir sicher, dass die 3500 in Deutschland niedergelassenen Anaesthesistinnen und Anaesthesisten diesen Weg gehen müssen, auch - um unseren Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Fachgebieten zu demonstrieren, dass uns eine abgesicherte Existenz nicht von den KVen oder Kassen oder gar von den Politikern geboten wird – sondern dass der erste Schritt zu einer abgesicherten Existenz von uns selber kommen muss – von uns Ärzten. Erst wenn wir begreifen, dass wir für unsere Interessen auch kämpfen müssen, wird auch unsere Umgebung begreifen, welchen Wert wir für Sie und damit auch für unsere Gesellschaft haben. Wer mehr dazu wissen möchte, sei auf diese "Website" verwiesen: Zulassungsrückgabe oder auch diese Seite Zulassungsverzicht Inzwischen sind wir längst im Jahr 2007 und haben nach einem unglaublichen Protestjahr der Ärzteschaft in Deutschland (siehe WIKI- Protestjahrchronologie) eine Bundestagsentscheidung am 2. Februar für ein „Wettbewerbsstärkungsgesetz“ erlebt, das als zentralen Kern die Einrichtung eines äußerst umstrittenen „Gesundheitsfonds“ erst Jahre später vorsieht, wobei sich Reformen im Gesundheitswesen bekanntlich die Klinke in die Hand geben. Die staatliche Planwirtschaft wurde erneut hierdurch gestärkt, Wettbewerb ist das krasse Gegenteil dazu! Somit zeigt sich unumwunden der Aspekt derDesinformation durch bewusste Fehldeutung von positiv besetzten Begriffen. Ein Trupp von 12 beherzten Kolleginnen und Kollegen hatte am Tag der Entscheidung vor dem Bundestag eine künstlerische „Abhöraktion“ inszeniert, die in allen Tagesnachrichten der TV-Sender und in den Tageszeitungen am Tag danach erwähnt wurde.Dazu ließ die namentliche Abstimmung nachvollziehen, wer den Mut hatte, gegen dieses Gesetz zu stimmen – die Opposition komplett und über 50 Parlamentarier der großen Koalition. Die Bundeskanzlerin ergriff in der Debatte nicht einmal das Wort, stieß aber beim anschließenden Sektempfang mit ihrer Gesundheitsministerin auf den „Sieg über die Lobbyisten“ an. Inzwischen verkündete 2 Wochen später auch der Bundesrat seine Zustimmung und alle Augen richten sich inzwischen auf den Bundespräsidenten, der die Gesetze noch gegenzeichnen muss, bevor sie rechtskräftig sind. Hierzu startete „Freie Ärzteschaft“ eine Initiative, die jeder unterstützen kann: Ihre Gegenzeichnung der heute von dem Bundesrat beschlossenen„Gesundheitsreform“ „Nachdem es in dem Gesetzgebungsverfahren offenbar niemandem gelungen ist, die Ketten zu sprengen, in die die Zwänge des erstarrten Systems alle Beteiligten augenscheinlich gelegt haben, und nachdem wir mit größter Besorgnis haben beobachten müssen, wie sich die Lage für Patienten und Ärzte, für Hilfebedürftige und Helfer konsequent verdüstert hat, treten wir nun hiermit an Sie heran und bitten Sie eindringlich, von Ihrem Recht zur verfassungsrechtlichen Prüfung der zur Gegenzeichnung stehenden Regelungen Gebrauch zu machen. Ihr grundgesetzliches Recht und Ihre damit verfassungsrechtliche Kompetenz zur amtlichen Prüfung bedeuten, dass Sie eine inhaltliche Verantwortung für das Regelungswerk übernehmen. ..... Prüfen Sie daher bitte die nun beschlossene Gesetzgebungsflut auf ihre Vereinbarkeit mit den Artikeln 14, 12, 2 und 1 unseres Grundgesetzes und bewirken Sie durch eine Zurückweisung des Ansinnens um Gegenzeichnung des Gesetzes die Neuausrichtung eines Gesundheitswesens, das in seiner heutigen Form bekanntlich jede vernünftige und verantwortungsvolle Kontur verloren hat. | |
| Wolfgang Bensch | |